Julia Mandl – Literarische Gastbeiträge

Zwischen Zimt und Männern

Stockholm, oh du wunderschöne, schwimmende, in Zimt getauchte Stadt.

Nonstop zu  arbeiten und Geld zu verdienen – allein – macht nicht glücklich, man muss schon auch Kaffee und Essen davon kaufen. Ich wähle Kaffee und Zimtschnecken und reise, dekadent wie ich nun mal bin, doch glatt dafür nach Stockholm. An meiner Seite drei liebe Freundinnen, die mit mir die schwedische Hauptstadt für ein paar Tage an sich reißen. Ich könnte diese gesamten Zeilen weiter mit all meinen geleerten Kaffeetassen und verspeisten Köttbular und Zimtgebäck füllen – ach dafür liebe ich euch verdammt gut angezogenen und gut aussehenden großen und blonden schwedischen Menschen – aber darum soll es heute nicht gehen, leider. Ich will Euch nämlich von unserem letzten Abend in Stockholm erzählen. Dumme Ideen beginnen nämlich immer mit »halte mal meinen Wein«. Wir befinden uns in Gamla Stan, der Altstadt Stockholms. Untergekommen sind wir in einem alten umgebauten Schiff. Kleines Zimmer, 2 Hochbetten, keine Fenster und ein Duschkopf, einsam und alleine, einfach so neben der Toilette. Jedoch hat dieses Schiff-Hostel eine traumhaft schöne Terrasse auf dem obersten Deck, die Aussicht auf die glitzernden Lichter Schwedens tröstet über diese Zimmererfahrung komplett hinweg. Außerdem sind wir ja auch da um die Stadt zu sehen und Zimtschnecken zu essen … Moment ich schweife wieder ab. Auf dem Weg vom Schiffchen zu Stockholmer Sehenswürdigkeiten, kamen wir jedes Mal an einer wundervollen Bar namens »Mister French« direkt am Wasser entlang. Die Einrichtung war ein Traum für jeden Gatsby Fan. Jeden Tag lag ich meinen Freundinnen in den Ohren und zeigte wie ein kleines quengeliges Kind auf die Bar, dass ich nicht stampfend und heulend stehen geblieben bin, um meinen Willen zu bekommen, war alles. Am letzten Abend bekam ich ihn  und wir lassen nun unseren Stockholm Trip im »Mister French« ausklingen. So betreten vier deutsche Mädels an ihrem letzten Abend das Haus von Jay Gatsby. Und was begegnet uns? Eine Masse an Männern. Die schönsten Männer, die diese Welt je gesehen hat. Ich schwöre es euch. Alle auf einem Haufen, in dieser Bar. Jackpot, das ist also dieser berühmt berüchtigte swedish sin. Dachten wir! Weiter in der Geschichte. Erstmal für ein Getränk sorgen. Joa, die Barkeeper beachten uns keine Sekunde. Nach einer Ewigkeit endlich, knallt uns einer der Jungs hinter dem Tresen vier Gin Tonics auf eben diesen. Mit dem Getränk in der Hand und wahrlich leicht zittrig wegen dieser wunderschönen Menschen um uns herum, begutachten wir nun erstmal unser Revier. Aber auch hier, keinerlei Beachtung. Okay, das hier sind wirklich die schönsten Männer der Welt, aber bis auf einen weiteren gemischten Tisch, weiter hinten in der Bar, sind wir die einzigen Frauen. Eine meiner Freundinnen, südamerikanischen Blutes, denkt sich: »challenge accepted« und beginnt in ihre Trickkiste zu greifen.  Sie versucht es beispielsweise mit dem »hast du Feuer«-Zigaretten Trick.  Aber es wird nur abwesend ein Feuerzeug und der dazugehörige Aschenbecher über den Tisch geschoben. So langsam gerät ihr Ego sichtlich in eine Krise. Also holt sie zum letzten finalen Schlag aus. Hierfür stellt euch meine Schilderung beim Lesen in Slow-Mo vor: Sie öffnet langsam und theatralisch ihren geflochtenen Zopf, schüttelt ihre Haare auf, greift sich abschließend lasziv in ihre wallende Mähne und sendet einen funkelnden Blick in die Masse. Nichts. Nada. Niente. Meine Freundin schnappt sich ihre Handtasche, leert ihr Glas, schleudert uns ein »ich bin müde, ich gehe aufs Zimmer, weckt mich zum Flug« entgegen und verschwindet mit einem legendär wütenden Hüftschwung aus der Tür. Wir anderen haben während ihrer Pick-up-Show schon längst amüsiert erkannt, dass die Männer –  wie wir auch – daran interessiert sind, sich gegenseitig diese wunderschönen Anzüge von den Leibern zu reißen. Belustigt vom Abgang unsere Freundin, entspannen wir uns, genießen unsere Drinks und die Möglichkeit ja wenigstens gucken zu dürfen, wenn schon nicht anzufassen. Mit einer entspannten Grundhaltung, siehe da, werden wir für die Herren doch noch sichtbar und sie helfen uns großherzig doch schneller an Gin-Nachschub zu kommen, indem sie an unserer Stelle mit den Barkeepern flirten. Tack Sverige!

Falls ihr mehr lesen möchtet von Julia, dann seht auch hier mal rein

P – Stadt/ Kultur-Magazin Darmstadt

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